Liebe Welt, mein Kind, was liegt dir am Herzen?

Politik: Dem Herzen der Welt lauschen
Ein Spaziergang, ein guter Freund und eigentlich nur paar Gedanken zur Koalitionsbildung haben mich am heutigen Sonnenssamstag zu folgendem Satz verleitet: „Die Welt ist doch auch nur ne große Familie.“
Und mit diesem Satz ist ein Bild entstanden, das ich gerne einmal wörtlich auseinander pflücken mag.

Dazu gestalten wir die Außenpolitik ein wenig anschaulicher und behaupten: Jedes Land ist ein Mensch. Und übertragen das Ganze auf die Innenpolitik: Jeder Mensch besteht aus ner Menge innerer Stimmen.
Jedenfalls, wenn man Hesse Glauben schenkt, was ich zugegebenermaßen ziemlich gerne tu. Wir folgen auch mal der Idee des „inneren Teams“ von Schulz von Thun und stellen uns vor, alle diese Stimmen sitzen an einem Tisch und diskutieren über irgendeine Entscheidung. Und ja, da geht dann so einiges ab. Manche Stimmen fühlen sich benachteiligt und ringen um Emanzipierung, andere pöbeln rum, manche weigern sich einfach mitzuentscheiden und manchmal fühlt der Mensch als Ganzes sich so sehr bedroht von irgendwas, dass die innere Meinungsmache etwas arg extrem in eine (un)rechte Richtung ausschlägt. Denn wir dürfen über all dem schließlich nicht vergessen, dass unsere inneren Stimmen keinesfalls unberührt von der äußeren Welt sind, weil …

Alles beeinflusst alles beeinflusst alles beeinflusst alles beeinflusst
Deshalb könnten wir allein darüber gut und gerne ein paar Jahre streiten, inwieweit der Mensch überhaupt selbstbestimmt entscheidet. Aber weil das zu weit abschweifen würde, halten wir einfach mal fest: Schon die Entscheidungsfindung eines einzelnen Menschen ist eine durchaus komplizierte Angelegenheit. Eben weil man irgendwie all seine Empfindungen, Wünsche, Gedanken, Ängste – und wer immer da sonst noch bei einem mit am Tisch hockt – unter einen Hut bringen muss. Dementsprechend ist jede getroffene Entscheidung ein Kompromiss von mehr oder minder bewusst oder unbewusst miteinbezogenen inneren Anteilen.

Und das, finde ich, lässt sich ganz wunderbar auf eine Landesregierung übertragen. In Deutschland darf sogar jeder, der will, tatsächlich eine Stimme abgeben und dann wird so fair wie möglich versucht, das in den Entscheidungsfindungen unseres Landes widerzuspiegeln. Das dabei auch ne Menge unter den Tisch fällt und schief läuft, spricht eigentlich nur für die Menschen–Metapher …

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Ich mag Blumen. Und ja, das ist wichtig fürs Thema.

Jedenfalls haben wir im Endeffekt einen Haufen Länder, die alle gemeinsam in einem Boot sitzen. Nennen wir dieses Boot nun einfach mal Welt. Und nennen wir das Universum Wasser, dann ist es sogar noch hübscher.
Klar, wir haben zwar ein paar imaginäre Linien durch den Sand gezogen und grenzen uns anhand derer nun mit hinreißend albern-ernster Verbissenheit voneinander ab, aber mal ehrlich … das ist doch in der Realität einfach nur

Bullshit.
Nicht die Idee, einzelne Erdteile unterschiedlich zu organisieren. Aber zu glauben, wir wären deshalb tatsächlich getrennt voneinander. Nein, unsere Länder werden einander nicht los, egal wie sehr sie sich auch gegenseitig ärgern oder doof finden mögen. Und so kam ich überhaupt erst zu diesem überaus logischen Schluss: Na, ne Familie eben!
Ein bisschen ist das ja auch normal bei Geschwistern und Verwandten, oder? Wir sind Menschen, da wird sich gegenseitig auch mal die Köpfe eingeschlagen, gerade dann, wenn man zu viel Zeit in einem engen Boot miteinander verbringt. Und wir sind nun mal keine jemals fertigen Wesen, sondern stecken bis zu unserem Lebensende in einem andauernden Entwicklungsprozess (fest), der aus den kleinen Kindern manchmal größere Kinder macht.

Aber genau an dem Punkt möchte ich einhaken und zumindest mir selber Mut machen, denn was mir beim Spazierengehen dann klargeworden ist: Hey, in unseren Familien gibt es auch kleinere und größere Kinder, und wir als Familie (und auch als Menschheit) kriegen es doch trotzdem hin, miteinander als unterschiedlich weit entwickelte Individuen umzugehen – wir ziehen die Kinder groß, ohne ihnen ihren Seinszustand „Kind“ absprechen zu müssen und wir kommen mit Pubertierenden klar, obwohl sie vielleicht ab und zu ein bisschen arg nerven beim Rebellieren, wir haben Nachsicht mit der älteren Generation und versuchen auch als sogenannte „Erwachsene“ irgendwie miteinander klarzukommen.
Sagt nichts, natürlich läuft auch da nicht alles rund, aber im Großen und Ganzen: Kriegen wir es verdammt noch mal auf die Reihe! Sonst gäbs ja jetzt keine Menschheit mehr. Und das ist doch geil! … Also, dass wir das hinkriegen mit dem „miteinander umgehen“.
Weil das für mich im Umkehrschluss auch heißt: Es gibt einen Weg, alle Länder (in welchem Entwicklungszustand sie sich auch immer gerade befinden mögen) irgendwie einigermaßen friedlich miteinander zu koordinieren. Es. Gibt. Ihn!
Was für mich ein sehr befreiender Gedanke ist, weil ich bisher öfter mal daran gezweifelt habe. Aber wenn Familienfrieden möglich ist, dann ist auch Weltfrieden möglich.

Vom Mikro ins Makro ins Mikro
Zuletzt können wir diesen Faden nun wieder von hinten aufrollen – denn wenn die Welt eine Familie ist und jedes Land ein Mensch, der zur Familie gehört, und jeder Mensch im Land eine Stimme ist, und ich ein Mensch bin, der voller Stimmen ist … bin ich nicht dann auch irgendwie die Welt? Vielleicht ist die Welt eigentlich ein völlig homogener Stimmen-Eintopf und wir checken es nur nicht, ja – vielleicht ist die Aussage: „Ich bin die Welt“ im Ganzen doch viel weniger narzisstisch, als sie klingt, wenn die Welt auch ich sein darf.

Und wenn ich mich selber so angucke und bemerke, wie ich durch mein Leben wurschtel und mein Bestes gebe, einigermaßen gute Entscheidungen zu treffen – dann versteh ich auch ein wenig besser, dass es vermutlich gar nicht so einfach für ein ganzes Land ist, sich selber zu koordinieren (von der großen Weltenfamilie mal ganz abgesehen). Und dann könnte ich ebenso vermutlich auch die Eingangsfrage umdrehen und mich selber fragen:

Liebes Herz, mein Kind, was liegt dir an der Welt?
Und es wäre vielleicht sogar die gleiche Frage. Und damit beende ich all diese Überlegungen mit zwei vorläufigen Faziten, von denen eins ne auf ihnen basierende Frage ist:

Erstens: Wie kriegen wir es als Weltenfamillie auf die Reihe, uns miteinander zu koordinieren, ohne den einzelnen Ländern ihre jeweilig momentanen Entwicklungsstadien abzusprechen?
Zweitens: Ob die Welt sich wohl auf die Reihe kriegt, wenn ich mich selber auf die Reihe krieg?

Ups, jetzt warens zwei Fragen. Na ja, macht nix. Zum Abschluss hab ich noch mehr geistigen Input in petto, mit einer analogen Idee von einem ziemlich coolen Typen. Die erste halbe Stunde war mir ein bisschen lang und ich hab mich zeitweilig gefragt: „Und was hat das alles mit dem Thema zu tun?“ Aber versprochen, es lohnt sich, der Mann macht einen richtig schlüssigen, guten Bogen, tadaa:

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Liebes Schreiben

Danke für deine eindringlichen Worte! 

Du hast völlig recht, es ist höchste Zeit, die Nase zur Sonne zu strecken, sich rauszutrauen und mal wieder was zu wagen! Und wenn sogar der Förderkreis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg davon überzeugt ist, wie sollte ich es nicht sein?

Lange genug hab ich im Dunkeln gesessen und daran rumgebastelt. Solange gegossen, bis es keimte und weitergepflegt, bis ein Pflänzchen daraus geworden ist. Mich von einer Korrekturschleife zur nächsten gehangelt, bis Wurzeln geschlagen waren und dann den Durchbruch geschafft. Raus aus dem ewigen Erdreich, rein ins Leben!
Damit der neue Roman sich im Licht sonnen kann, bis er blüht und Früchte trägt:

 „Bis zum Hals“

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Meilensteine

Juli 2017 Trance Tanz Presenter Training

Juni 2017 Veröffentlichung des Romans „Bis zum Hals“

Mai 2017 Arbeitsstipendium des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg

Dezember 2016 selbst verfasstes, geprobtes, organisiertes und schließlich aufgeführtes Weihnachtstheaterstück in Stuttgart

Februar 2016 1. Platz Förderpreis des vierten Landschreiberwettbewerbs

Februar 2015 1. Platz Förderpreis des dritten Landschreiberwettbewerbs

Oktober 2013 AE-Johann Preis (1.Platz in Altersgruppe 2)

Juni 2013 Jugendpreis des Athmer Lyrikpreises in Arnsberg (1.Platz)

Februar 2013 1. Platz Förderpreis des ersten Landschreiberwettbewerbs

Dezember 2012 Finale von „Mach dein Ding gegen Rechts“

Juni 2010 4. Platz beim Stuttgarter Jugendlyrikpreis

Wie hart kann man eigentlich zweifeln?

Liebe Janina,

wir müssen reden. Unsere Beziehung funktioniert so nicht. Ständig zweifelst du meine Daseinsberechtigung in deinem Leben an. Wie soll ich mich mit dir gut fühlen, wenn du dir alle zwei Minuten wieder unsicher darüber bist, ob wir beide überhaupt zusammenpassen? Du behauptest zwar, dass du mit mir fliegen willst, lässt dich aber von einem Atemstoß des Gegenwindes bereits umpusten.

Doch Beziehungen sind Pflanzen, sie sind wie alles andere Lebendige auf diesem Planeten auch: auf eine gewisse Kontinuität angewiesen. Ohne sicheres Fundament kann es niemals Spielraum und auch kein freies Entwicklungsfeld geben. Die ständigen Beben deiner Zweifel begraben jedes zarte, hoffnungsvoll grüne Stängelchen direkt wieder unter einer fetten Staubschicht der Niederlage, versenken es im ewigen Erdreich der Möglichkeiten. Dort bleibt es ein Könntewäremöglichvielleichtspäter. Natürlich, was man nicht hat, kann man nicht verlieren, was man nicht großzieht, kann nicht zerstört werden. Außerdem muss man sich dann niemals fragen, ob man nicht vielleicht lieber einen anderen Baum gepflanzt hätte, sagen wir eine Araucaria araucana, eine Andentanne. Klingt ja auch viel aufregender, als: Buche. Dann muss man auch garantiert keine Wachstumsschmerzen ertragen und vor allem niemals Höhenangst, falls das mit dem Wachsen tatsächlich geklappt hätte.
Aber ich hoffe, du weißt, der Preis deiner Unbeständigkeit ist das dunkle Träumerdasein unter der Erde. Da kann man sich zwar gefahrlos ausmalen, wie farbenfroh die Welt da draußen wäre, doch mit allen Sinnen erfahren wird man sie nie. Davon mal abgesehen, gibt es da unten die Wühlmäuse der verpassten Chancen. Am Anfang nagen sie vielleicht nur ein bisschen an dir, wenn sie leise nachfragen, was gewesen hätte sein können, wenn du damals nur mal noch einen Schritt weiter gegangen wärest … doch ich verspreche dir, eines Tages wirst du völlig zerfressen von ihnen sein. Natürlich kannst du hier trotzdem im Dunkeln sitzen bleiben, das ist deine Entscheidung, denn:

Ja, du bist ein geistiges Wesen, ein Stück Stille, und in der Stille nicht mal mehr ein Stück, sondern ein Ganzgewordenes mit allem anderen um dich herum. Aber nein, du bist eben nicht nur Geist, sondern: Ja, du bist ein körperliches Wesen.
Im Atombausetzkasten der Welt zusammengebastelt, nach physikalischen Gesetzen geformt und mit all dem Pipapo, den dein Verstand so gerne in allen Einzelheiten zerpflückt, nur, um dann doch niemals aufzustehen und tatsächlich loszugehen.

Ja. Auch Zweifel haben ihre Daseinsberechtigung, wenn sie ein konstruktives Be-Denken sind. Es ist wichtig, sich kritisch damit auseinanderzusetzen, ob sich das Zusammenleben für einen noch stimmig anfühlt, oder ob man es vielleicht verändern oder gar aufgeben muss. Aber deine Unschlüssigkeit, liebe Janina, das ist kein produktives Hinterfragen, sondern einfach derb langweilig gewordenes Beziehungsdrama – ständig erstickst du unsere Saat im Keim!

Wenn du fremde Prachtbäume dazu benutzt, unseren kleiner zu reden, als er ist.
Wenn du dich nach verblühter Vergangenheit umdrehst und dir die Zukunft ausredest.
Wenn du plötzlich zu träge zum Gießen bist und alles Entstandene vertrocknen lässt.
Wenn dir die Gegebenheiten ständig nicht mehr passen, du das ganze Pflänzchen aus der Erde reißt und woanders versucht, wieder reinzustecken.
Wenn du bei jedem Missgeschick den Mut verlierst und über alles drüber trampelst.
Wenn du dich nach den Beschnittwünschen der anderen richtest und dann alles kurz und klein schnippelst. Und dann behauptest, dass du halt einfach nicht gärtnern kannst.

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Gut, wenn du dir das alles einreden magst, ist das deine Sache – nur, hör dann auf, uns beide zu sabotieren und lass mich in Ruhe. Für mich ist so ein künstlich kleingehaltener Bonsai einfach nichts. Ich wünsche mir einen richtigen Baum, den wir gemeinsam großziehen. Eine simple und solide Buche. Damit ich eines Tages in dieser Baumkrone sitzen kann und mich darin vom Wind bewegen lassen und glaub mir, das Gefühl kommt dann schon ziemlich nah an Fliegen ran. Ich wünsche mir die schwindeligen Höhen der Freiheit und die frischeste Entwicklungsluft, einen breiten Stamm zum Anlehnen, ich wünsche mir ein zweifelfestes Blätterdach. Und ich wünsche mir ein Beziehungsgeflecht mit starken Ästen als Grundfesten der kreativen Entfaltung des Detailverzweigten, denn es will sich endlich ausbreiten und kleine Früchte tragen.

Und wir beide, wir gehören natürlich zusammen, wenn wir nur beide überzeugt davon sind! Das Leben hat diese enorme Anziehungskraft zwischen uns garantiert nicht geschaffen, damit wir an ihr scheitern. Sondern, um sie zu meistern.
Also, bitte. Du willst wirklich mit mir fliegen?
Dann werde bodenständig.

Denn ohne Baum kann es auch keine Buch-Eckern geben.

In Liebe,
dein Schreiben

Blödsinn

Blödelei für Jonas.
In jedweder Hinsicht.

Blödsinn ist das halbe Leben, wenn die andere Hälfte aus Unsinn besteht. Manchmal beschleicht mich auch der Wahnsinn, aber der weigert sich, prozentual ausgedrückt zu werden. Er nistet lieber zwischen den Lücken der grauen Zellen und brütet eine Schnapsidee nach der anderen aus.
Aber ist das schon Blödsinn,

wenn man sich Ringe ansteckt und dadurch heiler fühlt,
wildfrei Leute anspricht, weil man Menschen gerne mag,
oder um Mitternacht in einen See springt.
Wenn man sich dafür entscheidet, dass immer alles gut ist,
einfach so, weil man das glauben mag,
wenn man sich dem Universum in die Arme schmeißt und sagt:
Ja bitte, hier bin ich. Ich habe keine Ahnung, führe du mich.
Wenn man Küsse wie Flyer verteilt auf denen Freude steht und
seinen Gedanken weniger Bedeutung beimisst als der Intuition.
Wenn man Launen niederringt und einen Schatz in der Disziplin findet,
wenn man weitermacht, obwohl es keine Garantie auf den nächsten Moment gibt,
aber man das Ängstliche im Menschenwesen tatsächlich zu lieben gelernt hat
und seinen Schmerz umarmen kann wie ein kleines Kind.

Ja, vielleicht ist das ein bisschen blödsinnig,
sich mit Todesangst auf eine Schienenbahn zu schnallen, nur um siebzig Meter in die Tiefe zu stürzen (und Spaß daran zu finden).
Die ganze Nacht zu vertanzen, bis man nur noch eine Stunde Schlaf übrig hat und danach auf große Reise geht.
Oder die Schule gegen einen Traum einzutauschen.
Beim romantischsten Lied einen Lachanfall zu kriegen und alle anderen damit anzustecken,
um vier Uhr früh aufzustehen und einen Berg hochzuradeln, damit man dem Sonnenaufgang entgegen tanzen kann (… oder lieber gleich dort übernachtet und mitten in der Nacht von der Polizei geweckt wird, weil man im Weg rumliegt).

Aber ist das nicht auch Blödsinn,
zu glauben, man käme tatsächlich irgendwo anders an als am Ende?
Oder irgendetwas auf dieser Welt gehöre einem,
wenn man doch sogar sich selbst nur vom Leben geliehen hat.
Ein Dagegen zu suchen, statt einem Dafür oder
genügend Lebensmittel für alle Menschen zu produzieren und die dann nicht richtig aufzuteilen,
seine eigene Gattung als die Krönung der Schöpfung zu betiteln und deshalb
Tiere als weniger wertvoll zu empfinden oder Kinder und Alte nicht ernst zu nehmen.
Gegenstände anzuhäufen, die alle verwelken wie du selbst und
sich über Religion zu streiten, wenn es im Kern doch immer um das Gleiche geht.
Grenzen zwischen Ländern zu ziehen, wenn unsere Füße alle auf derselben Erde stehen
oder Menschen nach Nationalitäten und Geschlechtern zu unterscheiden.
Lebensmittel in Plastik zu verpacken oder Sachen zu essen,
von denen man gar nicht weiß, was drin ist.
Zu vergessen, welch Privileg es ist, dass wir Wasser aus der Leitung trinken können (Alter Schwede, die Menschheit hat schon krasse Sachen ermöglicht) und
zu verdrängen, welch Potential dem innewohnt, wenn wir uns miteinander verbinden
zu zweit, zu dritt, zu viert, zu achtmilliardenst –
ein kollektives Bewusstsein, das die Welt aus den Angeln hebt.

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Darum, lieber Jonas,
wenn du mich fragst, was Blödsinn ist,
dann lautet meine Antwort:

Das können wir zum Glück selbst entscheiden.
Auch, welchen wir mitmachen wollen.

Widersprüche im ewigen Kreis

Das menschliche Dilemma der Paradoxa
Unser Beurteilungsvermögen ist von der Gegensätzlichkeit geprägt. Wir werten, indem wir miteinander vergleichen – und haben dadurch eine Welt der Kontraste gebaut. Schön hässlich, angenehm schmerzhaft, hell dunkel, wahnsinnig klar.
Diese Fähigkeit zur Differenzierung ist in der Tat ziemlich nützlich, um Entscheidungen zu treffen. Da hat unser Gehirn wiedermal einen klugen Schritt weiter gedacht. Indem wir Zustände durch Bewertungen nicht nur voneinander unterscheiden, sondern auch miteinander in Relation setzen können, haben wir ein extrem machtvolles Werkzeug zur Hand, um selbstständig gute Wahlen für unser Leben treffen zu können. Wir können damit über gemachte Erfahrungen reflektieren, sie einsortieren und entscheiden, wie wir die Zukunft vor diesem Hintergrund gestalten möchten.

… Aber die Medaille hat natürlich zwei Seiten (wie sollte es auch anders sein, genau das meinte ich ja, mwuah). Denn die Bewertungsgabe nimmt uns logischerweise die Neutralität. Und das ist für mich die naturgegebene Grenze des menschlichen Verstandes – er kann super differenzieren und bewerten, aber er bleibt darum verhaftet in seiner Gegensätzlichkeit. Mit dem Verstand schaffe ich die Grenzen, kann sie aber nicht auflösen.
Denn was er nicht fassen kann, ist der – ich nenne ihn liebevoll – weltliche Einheitsbrei. Äh hä? Ja warte, ich erklärs gleich. Nur Geduld. Von vorne:

Form vergeht
Brechen wir es mal herunter auf die krassesten beiden Pole. Da ist die Geburt, die dem Tod gegenüber steht. Ich wette, dein Verstand hat da außerdem direkt Bewertungen für anzubieten. Vielleicht wird der Tod schon im ersten Eindruck weniger angenehm wahrgenommen als der Gedanke an ’neues Leben‘.
Wir wissen zwar theoretisch, dass es das Eine ohne das Andere nicht gibt, aber zumindest mein Kopf zieht schnell eine Grenze und sagt: Ooh, da aus dem Samen wächst ein neues Pflänzchen, wie schön, jaaaa. Was, da hinten liegt ein toter Vogel? – Bleib mir bloß weg damit!

Geburt und Tod sind also zwei scheinbar unvereinbare Gegenteile. Wäre da nicht etwas zwischen ihnen, einen Moment, ich glaube, es hieß: Leben.
Und dieses mysteriöse Leben scheint die zwei Worte sogar sehr zuverlässig miteinander zu verbinden.
Macht unser Verstand eine Trennung zwischen Geburt und Tod? Ja.
Gibt es aber eine reale Trennung, wenn diese beiden Zustände doch so unleugbar durch das Leben miteinander verbunden sind? Es gibt den einen Zustand ohne den anderen schließlich nicht.

Im ewigen Kreis
Jaa, für den Verstand ist das schwer begreiflich – der findet natürlich, dass das zwei völlig verschiedene Dinge sind. Aber trotzdem existiert doch beides auf dieser Welt, im selben Augenblick stirbt etwas und gleichzeitig wird etwas anderes geboren. Um dem einen Hut aufzusetzen: Das Andere wird sogar aus und auf der Asche des Einen geboren.

So entsteht der fast komische Widerspruch, dass ich Brennesseln sammele, die wochenlang im Wasser ertränke, bis sie sich völlig aufgelöst haben und damit schließlich anderen Pflanzen beim Wachsen (also geboren werden) helfe. In dem Fall nennen wir das Düngung und haben wenig Bedenken – aber wenn es darum geht, dass auch menschliches Material vergilbt (Wirf mal einen Blick in den Spiegel, da kann man jeden Tag live zugucken, wie das passiert) und sich am Ende mit der Erde vereint, zu Staub wird und neues Leben darauf wächst … dann fühlt sich das plötzlich gleich viel bedrohlicher an.

Müll existiert nicht
Damit zurück zum weltlichen Einheitsbrei: Der entsteht nämlich für mich, wenn man dieses Phänomen einmal aus der Ferne betrachtet. Etwas entsteht, wächst, befruchtet, gedeiht, blüht, tanzt, verwelkt, stirbt, zerfällt in seine Einzelteile, wird Staub und ist dann Nährboden, entsteht, wächst … blablabla. Es ist – ein Kreislauf. Ein Kreislauf, dem ständig neue Formen entspringen: Dinos, Steine, Tulpen, Menschen, Schnee, Walnüsse, Schnecken, Palmen, ihr versteht vielleicht, was ich meine.
Nichts auf dieser Erde geht verloren, alles ist immer da. Es verändert laufend seine äußere Form, aber die Essenz verschwindet niemals. Deshalb ist das Konstrukt des Mülleimers eigentlich auch Schwachsinn, denn er birgt diese verlockende Illusion, man könne etwas ‚loswerden‘. Quark! Wir sind ein irrer Verwertungskreislauf, aber nichts kann tatsächlich vernichtet werden, alles ändert nur seine Form.
Natürlich kann man einen Wald niederbrennen, aber seine Essenz liegt dann trotzdem noch auf dem Boden, ist in der Luft, hat völlig den Zustand verändert, aber ist niemals weg im Sinne von nicht-mehr-existent. Na klar ist da noch etwas existent, nur halt: Anders.

Der Verstand kann das aber nicht wirklich begreifen. Er kann es gedanklich nachvollziehen, wenn ich sage, dass sich nichts in Luft auflöst und in der Asche die Überreste des Baumes sind – aber er kann es nicht be-greifen. Was vermutlich damit zusammenhängt, dass der Verstand keine Hände hat. Damit sind wir dem ganzen Geheimnis schon ziemlich nah gekommen: Das Wesentliche kann man eben nur fühlen. Manchmal mit den Händen. Manchmal anderweitig. Aber …

… der Verstand hat keinen Zutritt zum Mysterium (Veit Lindau)
Das skeptische Naturell unseres Verstandes entspricht einer seiner größten Fähigkeiten: Er ist begrenzt. Für ihn wird im Tod wahrscheinlich immer eine gewisse Bitterkeit liegen (und das ist auch okay), aber da sind wir wieder mitten im menschlichen Dilemma angelangt: Das Leben ist schrecklich paradox, wenn man versucht, es mit dem Kopf zu kapieren. Alles steckt voller Widersprüche.

Eine Ebene tiefer gibt es die nicht mehr. Löst man die Bewertungen der Dinge auf, verschwimmen mit ihm die Grenzen zwischen den einzelnen Formen. Dann ist Geburt und Tod untrennbar miteinander verbunden, denn das Leben zieht eine Brücke zwischen ihnen. Dann gibt es Zeit nicht mehr als Gestern-Heute-Morgen, sondern sie wird zum allgegenwärtigen Jetzt. Dann gibt es nicht mehr dich und mich, sondern bloß noch diesen Funken Bewusstsein, den wir miteinander teilen.

In dieser Bewertungsfreiheit liegt wahrer Frieden begraben. Es gibt kein Gut und Schlecht, denn alles I S T. Bewertung ist ein Konzept, das man auf die Realität drauflegen kann und der sehr viel Nützlichkeit innewohnt, aber gemäß seiner Dualität auch ein Schatten. Der Schatten, das alles zwei Seiten bekommt. Eine helle und eine dunkle.
Dem Leben selbst ist das vollkommen egal. Das Leben lebt. Es lebt, wenn wir es scheiße finden und es lebt, wenn wir es gut finden. Es lebt, wenn wir geboren werden und es lebt weiter, wenn wir sterben. Ist das schlimm? Nur, wenn wir es bewerten.

Ein Fazit
An dieser Stelle möchte ich das Wunder des Verstandes noch mal huldigen. Denn es passiert mir öfter, dass ich mit meinem Kopf im Streit liege, weil er Sachen bewertet – ich deswegen schlechte Laune habe und mich darüber aufrege, dass er alles immer gleich bewertet. Alter, der kann so ne Nervensäge sein. Dabei will ich doch nur Frieden.

Aber es ist eine sehr, sehr mächtige Fähigkeit, dass wir werten können. Wir können unseren Verstand damit sehr bewusst einsetzen und ihn als Instrument benutzen, um auf dieser Welt die Formen zu erschaffen, die uns guttun.
Denn: Es gibt keinen Müll! Nichts verschwindet! Und wenn wir tonnenweise Material zu Plastik verarbeiten, haben wir diese Formen zwangsläufig eine Weile (und diese Weile wird unser eigenes Leben wohl deutlich überschreiten) auf unserem Planeten.
Ja, auch Plastik ist ein immens praktischer Stoff, aber da greift wieder die Zweiseitigkeit der Medaille (woah, wie oft denn noch heute? …. Ne im Ernst, guckt mal in deinem Alltag, da findet man dieses Prinzip ständig. Wie oft kannst du es für dich zum Besten nutzen?).

Deshalb liebe ich meinen Verstand dafür, dass er differenzieren kann und auf diese Weise unsere Erde aktiv mitgestalten. Mein Konsumverhalten entscheidet grundlegend mit, welche Formen diese Welt weiterhin zum Vorschein bringen wird. Deshalb kann man sich überlegen, welche Formen man gerne mag.
… Strumpfhosen? Bäume? Gras? Tontöpfe? Geschlachtete Schweine? Taschentücher? Bananen? Cola? Zahnbürsten und wenn ja, wie viele?
Egal was. Alles, was du berühren kannst, ist eine Form.
Gefällt sie dir? Magst du, dass sie weiter Bestand hat? Was für Konsequenzen hat diese Form? Gefallen dir die wiederum?
Und so können wir unseren Verstand richtig fett geil dafür einsetzen, auf diesem Planeten die coolsten Formen zu formen, die uns einfallen. Oder auch das Gegenteil. Ist unsere Entscheidung. Dafür haben wir schließlich einen Verstand.

… und manchmal relativiert der sich sogar von ganz allein:

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Ooooh, ne Katzeeee. Aaah, die liegt ja schon wieder in meinen Pflanzen!! Die soll doch ni- aah, egal. Verdammt, ist die süß.

Wie ich loslasse

Loslassen befreit
Nachdem ich letzte Woche festgestellt habe, dass nicht das Loslassen, sondern eben das Festhalten schmerzhaft ist – habe ich mich damit beschäftigt, wie ich an diesen Zustand der Durchlässigkeit herankommen könnte und das Loslassen besser lernen.
Dabei ist mir zufälligerweise der passende Satz ganz von selbst über den Weg gelaufen. Scheinbar zufällig, denn wenn ich eines mittlerweile verstanden habe, dann das Resonanzgesetz! Ich muss nur die Augen aufmachen und solche Sätze passieren:

Die Energie folgt der Aufmerksamkeit
Für mich bedeutet das so viel wie: Da wo meine Aufmerksamkeit sich befindet, ist auch meine Energie. Sie ist gebunden an meinen Fokus.
Als ich vor einigen Jahren so in der Bulimie verhangen war, ist ein ständig wiederkehrender Gedanke gewesen: Ich will die Essstörung loslassen.
Dabei habe ich logisch schlussgefolgert: Wenn ich etwas loslasse, entsteht Raum.
Diesen Raum muss ich mit Etwas anderem füllen. So bin ich darauf gekommen, dass die aktive Aufgabe nicht darin bestand, die Bulimie loszulassen, sondern mich neu zu orientieren und meinen gedanklichen, zeitlichen und emotionalen Raum anders füllen zu lernen.
Loslassen bedeutet in diesem Sinne für mich eine Umorientierung.
Alles, was man in seinem Leben nicht möchte, verschwindet oft automatisch, sobald man sich auf jenes ausrichtet, das man eigentlich will.
Deshalb entstand das gefühlte Paradoxon, dass ich mich etwas (anderem) zuwenden muss, um etwas loszulassen. Das war total erleichternd, denn das bedeutet, dass ich immer etwas aktiv tun kann.

Sobald ich nämlich versuche, etwas bewusst loszulassen, richte ich meine Aufmerksamkeit auf eben diese eine Sache, die ich eigentlich loslassen möchte. Geht die dadurch weg? Ganz im Gegenteil … und das habe ich in einer lebenslangen Selbststudie mehr oder minder unfreiwillig sehr viel getestet. Glaube mir oder probiere es einfach selbst aus: Denk mal jetzt bitte nicht an lila Eisbären.
Na, wie lange hat es gedauert, bis dein Kopf ein inneres Bild gezaubert hat?
Im Gehirn gibt es das Wort nicht nicht.

So beschäftige ich mich mittlerweile nicht mehr mit dem Loslassen an sich, sondern lieber mit dem, was ich in meinem Leben manifestieren möchte.
Richte ich meine Aufmerksamkeit nämlich auf das, was ich eigentlich möchte, lässt das Andere – völlig ohne mein (hin)Zu-tun – einfach mich los.

It’s simple but not easy
Im Nachhinein klingt das alles so logisch, dass ich mich gewundert habe, wieso ich da nicht früher drauf gekommen bin und warum ich das nicht öfter tu: Loslassen. Umorientieren. All diese schlauen Dinge. Trotz unschlagbarer Logik zieht es mich doch oft zum Gewohnten zurück. Trotz allem halte ich mich teilweise sogar lieber an schmerzhaften Geschichten fest, anstatt weiterzuziehen.
Müsste die Menschheit nicht durchweg glücklich sein, wenn es doch so einfach ist?
Wo kommt der Widerstand her, sich dem Loslassen hinzugeben?
Aus meinem Verständnis heraus entsteht es aus der Angst des Egos vor dem Tod.

Das mysteriöse „Ego“
Ich habe es für mich mittlerweile so definiert: Das Ego ist mein innerer Namens-Geber.
Mein Persönlichkeits-Macher. Mein Mein-Sager. Es setzt mich in Beziehung: Zu mir, zu Anderen und zur Welt. Es ist der Ort allen Definierens und Beurteilens.
Hier sind sie zuhause: alle fixen Ideen meines Gehirns. Manchmal auch als Wissen betitelt, wie die Welt so ist und den Vorstellungen darüber, wie sie vor allem zu sein hat.

Jetzt kommts aber: ICH bin das nicht. Ich lebe nämlich auch, wenn ich nicht denke.
Mein Ego weiß das bloß nicht, weil es selbst eben nur mittels Denken existiert. Es bastelt mein „Ich“ schließlich aus diesen Bezügen, die es herstellt: zur Vergangenheit und eventuellen Zukunftsplänen, Freundeskreis, Beruf – eben all dem Blabla in dieser Welt, was einem wieder weggenommen werden kann, weil es eine äußere Form ist.
Der Tod des Egos (nicht der Tod meiner Existenz!) ist also das Alleinsein = die Bezugslosigkeit.

Der Widerstand gegenüber dem Loslassen entsteht dementsprechend aus der Angst vor dem Alleinsein – womit nicht primär physisches Alleinsein gemeint ist (aber auch).
Sobald ich etwas loslasse, bin ich nämlich „alleiner“ als vorher!
Ganz egal, ob es sich dabei um einen Menschen, eine Erinnerung, einen Gegenstand oder eine Vorstellung von der Welt handelt.

Das Problem: Sobald ich denke so ist es / sollte es sein und die Welt ist nun mal anders, tut es weh (was fällt der eigentlich ein!).
Da Leiden aber nicht mein favorisierter Seinszustand ist, habe ich also überlegt, wie ich mit diesem Protest, den das Ego mir gegenüber meiner Durchlässigkeit bietet, umgehen könnte.
Mein Ehegelübde drückt das folgendermaßen aus – kurz, knapp und radikal:

Ich bin bereit, mein Ego
ein ums andere Mal sterben zu lassen.
Eigenhändig werde ich es auf den Scheiterhaufen stellen
und freiwillig anzünden.
Ich bleibe im Feuer stehen und fühle.

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Oh oh, ich ahne schon, was kommt …
ja, ich habe eine äußerst konkrete Antwort gefunden.
Allen Schmerz auf allen Ebenen bewusst willkommen heißen!
Zu allem, einfach ALLEM ein großes JA aussprechen.
Jeder Situation, jeder Emotion, jeder Erfahrung:
Einfach nur JAAA, ich bin DAAA! Komm in meine Arme, Schmerz.
Weil nämlich:
Jedes Nein der Außenwelt entlarvt mein eigenes Glaubenssystem.
Und immer, wenn es wehtut, weiß ich:
Aha, die Paula klammert sich gerade an einem Gedanken fest.

Anschließend löse ich meine Identifikation damit, indem ich anerkenne, dass Gedanken nicht die Wahrheit, sondern nur Worte sind; mache die eigentliche Realität ausfindig und stelle mich damit Tag für Tag mitten ins Feuer. In das Feuer meines Festhaltens.

Alles, was mir das Leben von sich zeigt, wird seither offenherzig begrüßt:
Her mit den Erfahrungen, vor denen mein Ego sich fürchtet!
Sag mir alles, was mein Verstand nicht hören will, Leben!
Gib mir alles, vor dem ich Angst habe!
… und naja, zum Offen-Herzig begrüßen: Das klappt eben mal mehr, mal weniger gut, nüschwahr.

Ich versuche aber zumindest, es jeder Begegnung mit der Welt auf diese Weise zu erlauben, mich näher zu mir selbst zu bringen. Denn je öfter ich auf den Schmerz stoße und das zulasse, desto besser kann ich mich selbst erkennen. Schmerz ist der zuverlässigste Indikator für mich, um herauszufinden, was ich tatsächlich für wahr halte (wahr halte: Was mein Ego sich also alles an Definitionen, Wahnvorstellungen, fixen Ideen, geglaubtes Wissen in der Summe zusammengeschustert hat).

Begegnungen mit anderen Menschen funktionieren besonders gut, weil ich sehr konkret spüren kann, wann ich mit innerer Ablehnung reagiere.
Und es ist wahnsinnig spannend zu sehen, auf was mein Verstand anspringt: „Du bist hässlich.“
Das tut weh? Aha. Spannend. Warum? Weil ein Teil meiner Identifikation wohl mit meinem Aussehen zusammenhängt. Weil ich mich wohl an meinem Aussehen irgendwie festhalte.
Aber mein Körper wird alt, grau und verwesen. Meinen Körper kann ich nicht nur, sondern WERDE ich verlieren.
Was bleibt, das ich nicht verlieren werde?
Kann ich meine emotionale Identifizierung von allem lösen, was ich verlieren werde?

Du bist NICHTS. Ich trenne mich von dir. Ich sage unser Treffen ab. Veganer sind alle dumm. Du lebst in einer Traumwelt. Ich komme nicht mit dir klar. Mir gefällt dein Charakter nicht. Wir, DIE GANZE Menschheit, haben gemeinsam beschlossen, dass genau DU nicht liebenswert bist…
… in dem Zuge, dass ich spüre, was alles wehtut, kann ich herausfinden, womit mein Verstand sich identifiziert hat. Und wenn ich das loslasse, in dem ich dazu JAAA sage, sehe ich was wirklich IST.
Und so kommt:

Jeder Mensch, jede Situation ist: Gott
Denn das Schöne ist: Ich muss nur morgens aufwachen und beginne schon mit den Projektionen. Alles ist mein Spiegel. Alles, das in mir IRGENDETWAS auslöst, führt mich nachhause:
Zum Sein. Zur puren Gegenwärtigkeit.
Jedenfalls … wenn ich es zulasse! Das klingt beängstigend und tut weh. Jedenfalls … rede ich mir das ständig ein, weil ich die Emotionen, die es auslöst, als Schmerz betitele. Allerdings habe ich auch schon mal spüren können: Dieses Gefühl, das ich da als Schmerz betitele, ist meistens vor allem eine Form von krasser Intensität. Eigentlich eine aufregende Sache! So gegenwärtig muss ich in den Momenten nur erstmal sein, das zu bemerken.
Darum … Schmerz, wirklich? Oder einfach nur Intensität? Oder Energie? Oder etwas ganz anderes? Dazu ein schöner Satz, den ich gerne beherzige, wenn es mir (mal wieder) richtig fett schlecht geht:

When we hit our lowest point, we are open to the greatest change (Aang)
Denn je tiefer ich da reingehe, je öfter ich eben nicht kriege, was ich will und genau das vollends annehme und bejahe – desto mehr Schalen kann ich knacken. ( … yey.)
Das sind tausend Tode für mein kleines, verletzliches, ängstliches Ego mit all seinen mannigfaltigen Bedürfnissen … aber es führt mich immer weiter nach innen:
Wenn alles andere weggeht, WAS BLEIBT? Was bleibt übrig von mir?

Ich bin bereit, es weiter herauszufinden!
Es ist nämlich total erleichternd, loszulassen. Die (geglaubte) Kontrolle über das Leben abgeben. Sich zurücklehnen, die kraftraubenden Beurteilungen aus der Welt rauszunehmen – und zu ergründen, wie die Realität dahinter tatsächlich aussieht.

Zusammengefasst also
handle ich primär „einfach“ zielorientiert meinen Werten entsprechend, indem ich diese aktiv in die Welt hinaus trage. Im Innen UND Außen richte ich mich ein ums andere Mal ruhig und klar auf das aus, was ich gerne in meinem Leben manifestieren möchte.

Gleichzeitig gebe ich mich so offen wie (mir zu dem Zeitpunkt) möglich allen Menschen und Situationen hin, die mir das Leben anbietet – und lasse auf diese Weise alle fixen Ideen los, wie die Welt auszusehen hat oder das Leben sein soll. Denn sobald das Schmerz auslöst, werde ich mit einem inneren JAAA durchlässig für ihn, weil (und erst wenn) ich bereit bin, ihn auch ehrlich zu fühlen.

So sortiert sich mein Leben schließlich von ganz alleine – und beginnt mir zauberhafterweise in die Hände zu spielen. Ich muss nur noch die Augen aufmachen und dafür wach werden, was es mir denn in der Realität anbietet – und das funktioniert so viel besser, wenn ich nicht mehr kramphaft verbissen nach dem suche, wovon ich denke, dass es mir das Leben jetzt anbieten müsste.

Loslassen tut weh – wirklich?

Wieso Loslassen, wenn ich es auch festhalten kann!
Das war ein zentraler Grundsatz in meinem Leben
… der in vorhersehbaren Abständen gescheitert ist.
Aber Abschiede, wenn ich das Wort nur schreibe,
wird mir schon schlecht davon.

Denn in Paulas schönem Leben werden
alle guten Menschen und guten Momente und guten Gefühle
in essbare Portionen zerstückelt, eingetütet
und im Gefrierschrank konserviert.

Dosenfutter mag ich zwar überhaupt nicht;
vorgekaut, vorgekocht, vorgefertigt,
alles nicht mein Ding. Nein, frisch soll es sein.
Beseelte Erlebnisse, lebendig, echt aus der Natur
und obendrein authentisch bitteschön.
… aaaaber dann einfrieren wollen.

Das Leben ist leider keine Gefriertruhe
Tja, dass das mit dem Schockfrosten nicht funktioniert, habe ich mir schon so halb gedacht und trotzdem die meiste Zeit meines Lebens probiert zu überlisten. Und wenn überlisten nicht ging, immerhin eine Weile verdrängen. Nur bis der nächste Verlust kommt natürlich … denn dann ist das Geschrei jedes mal groß!
Tatsache ich jedoch: Das Leben kann einem einfach alles wieder wegnehmen. Einfach – ALLES. Alles, was du benennen kannst, kann dir genommen werden. Daran versuche ich mich jeden Tag zu erinnern und mein Ego versucht es jeden Tag wieder zu vergessen.

Aus diesem Gedanken resultierte eine Verlustangst, die begleitete mich seit jeher in den kleinen und großen Dingen des Lebens:
Wenn eine Achterbahnfahrt beginnt, denke ich manchmal schon traurig an ihr Ende;
wenn der Sommer sich in den Herbst wandelt, wird es mir mulmig zumute;
wenn ich am Montag hässlich früh aufstehen muss, kann ich das Wochenende vielleicht nicht mehr richtig genießen;
wenn ich Menschen kennenlerne, frage ich als Erstes, ob sie denn einen Auslandsaufenthalt geplant haben und schiebe sie dann vielleicht lieber gleich wieder aus meinem Leben raus.

Ich hetze ziemlich viel durch die Gegend deswegen, weil ich Angst habe, etwas zu verpassen und verpasse dadurch das Meiste;
ich versuche alle Menschen, Gegenstände und Hobbies krampfhaft in meinem Leben zu behalten, weil ich fürchte, irgendetwas davon wieder loslassen zu müssen;
ich beginne mich zu verstellen, um etwas nicht zu verlieren;
ich bekomme plötzlich Angst vor dem Tod;
und ich beginne Besitzansprüche an alles Mögliche zu stellen.

Mein Kopf hat sich mit der Zeit einen regelrechten Masterplan gebastelt,
was ich alles tun muss, wie ich mich verhalten muss, wer ich zu sein habe und welchen Ansprüchen ich genügen muss, um den ultimativen Verlust zu vermeiden. Den ultimativen Verlust von was auch immer. Von einer bestimmten Lebenssituation, von gefühlter Sicherheit im Job, von Menschen in meinem Alltag, von guten Gefühlen.

Meine Verlustangt wusste auch immer von ihrem Lieblingsaussichtspunkt meiner Schulter zu flüstern: Es ist ganz einfach, du musst bloß alles immer kontrollieren!
Jaaa, hahaha.
GEHT NICHT!
Trotzdem folg(t)e ich tagtäglich vielen nervenaufreibenden Glaubenssätzen, auf die mein Kopf sich einbildet, dass sie mich vor Verlust schützen könnten, aber …

… das Leben so: Äh, Nein!
Das müssen wir nun nicht im Detail ausführen, das kennt sicherlich jeder selber: Man denkt, so funktioniert die Welt und dann funktioniert sie einfach anders.
Man hat eine super Woche geplant und dann wird man einfach krank.
Man besucht seine Oma im Krankenhaus nicht und dann stirbt sie einfach.
Man klammert sich mit Leib und Seele an seinen Partner und der verlässt einen trotzdem (… oder deswegen).
Einfach. So.
Und nun?

„Du kannst nichts haben, solange du es nicht loslässt“ (irgendjemand Kluges)
Meine Angst vor Verlust ständig im Nacken, ist mir bewusst geworden, dass ich nichts wirklich genießen kann – sobald ich Angst habe, lasse ich mich nicht mehr wirklich ein.
Erst wenn ich mit dem Bewusstsein, dass nichts ewig ist, in den Moment eintrete und mich dem hingebe, kann ich überhaupt aufnehmen, was da an schönen Erfahrungen und Gefühlen in mein Leben tritt.
Da ist kein Platz etwas wahrhaftig zu erleben, wenn man schon mit Festhalten beschäftigt ist, während es stattfindet. In diesem Versuch etwas krampfhaft behalten zu wollen oder länger auszudehnen, verliere ich genau den Augenblick, in dem ich es hätte erleben können … denn mein Kopf ist zu oft bereits auf der Metaebene und mit Konservierungsarbeiten voll ausgelastet.

Das ist, als würde ich den ganzen Tag darüber nachdenken, wie ich am besten verhindern kann, dass der Tag vorüber geht – und der Tag geht schließlich irgendwann zuende (wie dreist von ihm!) und ich habe damit nichts getan, als über eine künstliche Verlängerung seiner Dauer nachzudenken.

Jede Erscheinungsform ist der Vergänglichkeit unterworfen
Alles was ich berühren kann, werde ich wieder loslassen müssen.
Denn: Ich sterbe.
und denn: Alles verändert sich. Fortwährend. Da ist sie, die Realität!
Jedes Jahr lassen die meisten Bäume ihre Blätter fallen, jeden Abend geht die Sonne unter und unzählige Zellen meines Körpers sterben jetzt genau in diesem Moment.
Wirklich Malina, du musst ALLES am Ende ohnehin wieder loslassen. Ganz ehrlich.
Diese Erkenntnis versuche ich tief in meinem Leben zu verwurzeln.
Integriere sie in meinen Alltag.

So stellten sich die Folgefragen mit der Zeit wie von selbst:
Möchte ich Zeit meines Lebens tatsächlich damit verbringen, mich an allem festzuklammern, was mir zwischen die Finger kommt?
Mir einreden, dass ich Kontrolle darüber habe?
So tun, als müsste ich nicht wieder alles loslassen?
So tun, als gäbe es Besitz?
Das klingt ein wenig überflüssig vor der Tatsache, dass alles vergänglich ist und sowieso wieder losgelassen werden muss. Das macht schon Sinn, hmm.
Aberaberaber – loslassen tut doch so weh!

Loslassen tut weh – wirklich?
Endlich habe ich mir die Mühe gemacht, mal ehrlich darüber nachzudenken.
Nehmen wir an, mein Partner verlässt mich. Tut mir tatsächlich weh, dass er nicht mehr da ist … oder ist es vielmehr, dass ich mich dagegen wehre?
Tut es weh, wenn ich Pläne mache, krank werde, die aufgrund dessen nicht verwirklichen kann und anschließend loslasse … oder ist es schmerzhafter, wenn ich eben an diesen Plänen festhalte, obwohl ich doch merke, es geht nicht?

Für mich hat sich ziemlich schnell herauskristallisiert, das mir eigentlich nicht das Loslassen, sondern gerade das Festhalten wehtut. Sobald ich demgegenüber, was nunmal Realität ist, in einen Widerstand gehe – leide ich. Sobald ich versuche etwas zu behalten.
Egal was es ist: Den Tag, den Freund, das Ding, die gute Laune, die Kreativität oder mein Haus.
Schmerzhaft ist, wenn ich es eben nicht loslasse.
Das war vielleicht erleichternd zu erkennen. Loslassen ist gar nicht schlimm! Loslassen ist sogar eben das, was mich befreit, wenn es mir schlecht geht.

„Das bloße Verlangen nach der Wiederholung des Vergnügens ruft Schmerz hervor, denn es ist nicht mehr das Gleiche wie gestern.“ (Jiddu Krishnamurti)

„Wenn ich loslasse, was ich bin, werde ich, was ich sein könnte“ (Lao Tse)
In der Pferdewelt gibt es den schönen Begriff der Losgelassenheit.
Er beschreibt den Zustand eines Pferdes, dessen Muskeln sich in der Bewegung unverkrampft an- und entspannen, innerlich ist es ruhig und im zwanglosen Dialog mit dem Menschen.

Ich kenne dieses Befinden ebenfalls, zum Beispiel manchmal beim Tanzen. Wenn das Denken aufhört und ich durchlässig werde. Wenn alles zu fließen beginnt. Impulse kommen und gehen widerstandsfrei durch meinen Körper. Der wiederum ist aufmerksam und lässt geschehen. Was auch immer kommt. Er nimmt es an, wandelt es um, lässt es frei.
Beim Paartanz bin ich auf diese Weise gut zu führen – und zappel ich mit mir alleine um die Wette, trägt die Musik mich auf Händen durch ihr Lied; ganz ohne, dass ich groß an meine Bewegungen denken müsste.

Was passiert wohl, wenn ich so auch dem Leben gegenüber treten würde?
Man stelle sich einmal vor, ich würde mich tatsächlich gegen den Wandel der Zeiten nicht mehr wehren. Ich würde mich der Veränderung des Universums hingeben, jeden Augenblick.
Das Leben würde mir Impulse schicken – Menschen, Situationen, Gefühle – und ich würde zu keiner einzigen innerlich NEIN! sagen, sondern sie alle annehmen. Ich würde es zulassen, dass sie mich berühren; dass sie in mein Leben treten und mich innerlich bewegen dürfen. Sie haben die Erlaubnis durch meinen emotionalen Körper zu fließen. Sie haben die Erlaubnis, mich wieder zu verlassen, wenn das Universum entscheidet, dass es Zeit für etwas anderes ist. Ich müsste sie nicht festhalten – die Menschen, Situationen, Gefühle – denn ich wüsste, das Leben schenkt mir in jedem Moment, was ich wirklich brauche.
Das wäre für mich die absolute emotionale Losgelassenheit. Sie ist durchlässig, widerstandsfrei und darum ohne Leiden.

„Wenn ich loslasse, was ich habe, bekomme ich, was ich brauche(Lao Tse)
Etwas, das mich von dieser Durchlässigkeit regelmäßig abhält,
ist der Gedanke: Ich brauche das aber! (diesen Menschen in meinem Leben, dieses eine Gefühl, das bestimmte Erlebnis, meine Gesundheit, die Umsetzung jener Pläne … )
Das ist klein Paula mit Füßen stampfend, trotzig die Arme vor der Brust verschränkt. Mit Tränen in den Augenwinkeln tobt sie im Kreis, brüllt herum und verflucht die ganze Welt, wenn sie nicht bekommt, was sie möchte – wenn sie dabei doch denkt, sie brauche das jetztaberechtganzwirklich ÜBERLEBENSWICHTIGDRINGEND! Das ist Angst.
Die nackte Angst um das Überleben unreflektiert nach außen gekehrt. Hinter: Ich brauche aber genau das jetzt steckt eine emotional aufgeladene Gedankenkette, in der klein Paula -logischerweise- letztendlich ALLES verliert und natürlich sofort stirbt, wenn sie nun nicht das bekommt, was sie gerade denkt zu brauchen (und by the way: ja, eines Tages stirbst du – und, ist das wirklich schlimm?).

Ich nehme sie an der Hand, mein kleines Mädchen und setze mich eine Weile mit ihr auf den Balkon. Wir streicheln die Kätzchen, fühlen milde Sommerluft auf der Haut. Die Sonne nähert sich bereits dem Horizont und taucht uns in das warme Licht der Dämmerung.
Also meine kleine Paula, wende ich mich an sie, lass uns doch einmal gemeinsam auf dein bisheriges Leben zurückschauen:
Erinnerst du dich an die Momente in deinem Leben, in denen du dir nicht vorstellen konntest, dass es jemals anders sein könnte und nun ist trotzdem alles anders?
Erinnerst du dich an Menschen, von denen du dachtest, du könntest nicht ohne sie sein und sie sind trotzdem nicht mehr in deiner Gegenwart?
Wie oft sind Dinge völlig unerwartet passiert, die du eine Minute, eine Stunde oder einen Monat vorher überhaupt nicht vorausgesehen hast?
Wenn du ein Jahr in Vergangenheit reisen könntest und zu dir selbst sagen: Guck mal, in einem Jahr wirst du dieses und jenes tun! oder es wird das passieren! würde dein altes Ich vielleicht lachen oder sich an die Stirn tippen, weil es damit niemalsnicht gerechnet hätte?
Klein Paula denkt eine Weile nach. Ihre Nasenspitze wird von der Sonne ein letztes Mal gekitzelt und manchmal nickt sie gedankenverloren vor sich hin. Wenn sie ruhig wird, findet sie tatsächlich viele Beispiele dafür, wie sie dachte: So und so, das wäre jetzt richtig, wichtig oder nötig und anschließend ist es ganz anders gekommen – und das war entweder auch in Ordnung oder viel besser oder wichtig für etwas anderes.
Klein Paula wischt sich die Tränchen weg und nickt tapfer. Na gut, sagt sie, mal gucken, was wirklich passiert, wenn ich NUR DIESES EINE Brauchen jetzt loslasse. Ich bin bereit, es auszuprobieren.
Gemeinsam legen wir die Kontrolle des Lebens zurück in die Hände des Universums und schicken einen Gruß hinterher. Denn wir erinnern uns daran, dass es nicht in unserer Macht liegt, über das Brauchen zu entscheiden und können nun vorbehaltlos das Wunder genießen, das da gerade vor unseren Augen geschieht: Die Sonne küsst den Horizont, verabschiedet sich von ihm und wir alle drei -Paula, Malina und der Horizont- wissen mit einem Lächeln, dass sie schon wieder zurückkehren wird, wenn das Leben entscheidet, dass es Zeit dafür ist.
Angst vor der Dunkelheit haben wir keine mehr. Das Leben ist schließlich bei uns.

… und wie macht man das mit dem Loslassen nun?
Damit werde ich mich beschäftige ich mich hier, denn:

„Wer loslässt vom Muss – wird wollen
Wer loslässt vom Wollen – wird tun
Wer loslässt vom Tun – darf sein“
(Wilma Eudenbach)

Auszüge meines Ehegelübdes

Nach meiner Selbstheirat folgt hier ein Auszug meines Ehegelübdes.
Auf dass ich dem treu bleibe und es euch inspiriert.


Liebste JaninaPaulaMalina.

alles auf dieser Welt ist für dich.

Lass los.
Du hast keine Kontrolle über das Leben – du bist Teil davon.
Lass dich ein.

Atme.
In alle Zwischenräume und darüber hinaus.
Das Leben atmet dich.

Ein Jahr lang möchte ich dich zur Frau nehmen
und mich dir völlig hingeben.

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Zu Mir:

2016 werde ich mich voll und ganz auf dieses Wesen einlassen, das ich bin.
Auf meine gegenwärtige Existenz als Mensch auf diesem Planeten.
Darum verpflichte ich mich mir selbst gegenüber:

Ein Jahr lang werde ich versuchen so ehrlich wie möglich mit mir selbst zu sein.
Ich werde mich allen Gedanken und Gefühlen stellen –
gerade auch denen, die ich als unangenehm empfinde.

Ich werde all meinen Bedürfnissen zuhören
und mich mit ihnen auseinandersetzen.
Ich werde für sie einstehen und dann der Führung des Lebens übergeben,
denn am Ende entscheidet die Realität, was mit mir geschieht.
Deshalb werde ich mich nicht mehr davor fürchten,
nicht das zu bekommen, was ich möchte;
weil ich weiß, dass ich alleine vom Universum getragen werde.

Alle Gefühle der Traurigkeit, des Schmerzes, der Einsamkeit,
der Verzweiflung, der Sinnlosigkeit und der Müdigkeit
werde ich wahrnehmen und willkommen heißen.
Ebenso wie die der Freude, der Inspiration und Kreativität,
der Dankbarkeit, Albernheit und Euphorie.

Um meinen Körper werde ich mich nach bestem
Wissen, Können und Vermögen kümmern und
ihn zu meiner besten Freundin machen.
Ich werde gesund, lecker, mit Genuss und Dankbarkeit
essen und versuchen dabei so nah wie möglich
an den Veganismus und eine weitgehend
rohköstliche Lebensweise heranzukommen.
Regelmäßig werde ich mich auf eine liebevolle Weise bewegen,
die meiner Gesundheit, Ausdauer, Kraft und Geschicklichkeit
förderlich ist und mir Freude bringt.
In guten und schlechten, in kranken und gesunden Zeiten
werde ich den Bedürfnissen meines Körpers
lauschen und mich für sie einsetzen.

Ich werde allen Widerstand dem Leben gegenüber aufgeben.
Alle Abwehr, alle Masken, alle Persönlichkeit,
jede Fassade und jede Verteidigung
werde ich fallen lassen. Denn ich erkenne

dass dieser Ich-Gedanke, das kleine Ego, der gedankenüberfüllte Kopf
keine Kontrolle hat. Er hat keinen Zutritt
zur Macht, zum Wissen, zum Sollte oder Müsste oder zur Richtigkeit.
Darum werde ich all meine Urteile prüfen und
fallenlassen, sobald ich kann.

Ich bin bereit, mein Ego
ein ums andere Mal sterben zu lassen.
Eigenhändig werde ich es auf den Scheiterhaufen stellen
und freiwillig anzünden.
Ich bleibe im Feuer stehen und fühle.

Darüber hinaus erkenne ich an, dass Gedanken
weder die Wahrheit noch Wirklichkeit sind
und ich die Wahl habe, diese
zu glauben
zu hinterfragen
oder zu beobachten.

Meiner Integrität übergebe ich die Führung
meines Entscheidens und Handelns
und gestehe ihr den ersten Platz
in meinem Leben zu.

 

Zu den Anderen:

Mit Allem, das ich bin, werde ich mich auf alle Menschen und alle Situationen einlassen.
Ich erkenne mich in jedem als meinen Spiegel, sie alle sind Gott.Ich gebe ihnen die Erlaubnis, mich zu mir selbst nachhause zu führen,
indem ich ihnen mit dem größten inneren JAAA begegnen werde,
das mir zu dem Zeitpunkt möglich ist.

Ich achte die drei Angelegenheiten:
Meine – Deine – Gottes
Für mein eigenes Leben übernehme ich die volle Verantwortung
in dein Leben mische ich mich nicht ein und übernehme keine Verantwortung dafür
und dem Leben selbst übergebe ich die Führung des Universums.

Aufgrund dieser Achtung kann ich
den Gedanken loslassen, irgendjemanden oder etwas ändern
und darauf verzichten, ein bestimmtes Bild von mir vermitteln
zu wollen.

Soweit meine Bedürfnisse andere Menschen betreffen,
werde ich dies so offen, ehrlich und klar wie möglich kommunizieren.
Ich werde nichts zulassen oder tun, das ich nicht selbst möchte.

Weder Drama noch Streit existieren,
solange ich bei meiner eigenen Angelegenheit bleibe; also
solange ich den Anderen in seinem So-Sein weder ablehne noch denke,
ich müsste die Illusion meiner „Persönlichkeit“ verteidigen.

Deshalb richte ich mich einfach klar auf meine persönlichen Werte aus
kommuniziere sie frei und lausche dann dir mit offenen Ohren.
Dadurch kann ich nüchtern erkennen, was passt
und was nicht passt, was geht und was nicht geht für mich.

Niemand schuldet mir etwas.
Ich schulde niemandem etwas.

 

Zum Leben:

Wir alle sind Atome, Atome sind Anziehungskraft,
wir alle sind Eins. Wir sind verbunden durch
die Ewigkeit dieses Augenblickes.

Die Realität ist namenlos und benötigt meine Bewertungen nicht.
Sie zeichnet sich jeden Moment durch ihre jeweilige Form aus,
die der ständigen Vergänglichkeit und Veränderung unterliegt.

Die Einsamkeit werde ich weder fürchten noch flüchten,
denn ich erkenne mich, meine liebste Malina, als
höchste und einzige Form meiner Existenz an.
Ich verstehe, dass ich immer nur mich selbst spüren kann
und ALLEINE STERBEN WERDE.

Alles, das ich berühre, werde ich wieder loslassen müssen,
denn alles Berührbare wird
geboren, wächst, erblüht, verwelkt und stirbt.
Wir sind ein großer Kreislauf
in sich geschlossen, miteinander verbunden
einander beeinflussend und durcheinander bedingt.

In dem ich jeden Moment, den das Leben mir anbietet
voll wahrnehmen und annehmen werde, auskosten und genießen,
werde ich lernen loszulassen. Jeden Widerstand
gebe ich auf. Ich ergebe mich dem Universum.

Ich werde mich in die Existenz hineinentspannen
in den einen Augenblick, der mein Leben ist,
die momentäre Ewigkeit meiner Gegenwart.
In der Stille werde ich versuchen den Raum zu meinem unverlierbar
unberührten Energiefeld zu öffnen und weiten.

Alles ist nur eine Frage der Identifikation.
Sobald ich aufhöre, das Leben persönlich zu nehmen,
wird es beginnen Spaß zu machen.

Je umfassender ich zulasse,
desto tiefer wird meine Bindung zum Universum
und ich verstehe, dass Liebe nicht etwas ist,
das ich fühlen kann, sondern bin.
So wie Alles um mich herum Liebe ist.

So werde ich das Leben feiern
in Stille und Frieden
jeden Augenblick.

Denn liebste PaulaMalina,
im Momentum deines Lebens und deines Sterbens
ICH BIN BEI DIR.