Presse

Interview mit dem Stuttgarter Wochenblatt

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August 2013

Janina Michl hat im Wagner Verlag ein Buch über das Thema Bulimie veröffentlicht.
Sie hat die Essstörung selbst 2009 überwunden und möchte mit ihrem Buch anderen Betroffenen Mut machen.  Am 23. September liest sie ab 18 Uhr im Forum 3 aus dem Buch.

Wie kamen Sie darauf, ein Buch zu diesem Thema zu schreiben?

J. Michl: Das Buch ist eine fiktive Erzählung über ein bulimiekrankes Mädchen. Ich habe nur versucht, all meine Gedanken und Lösungsansätze zum Thema irgendwie darin ,einzubasteln’, um andere an meinen Ideen zur Bewältigung teilhaben lassen zu können.
Irukas Erlebnisse sind aber nicht meine, es ist vielmehr ein Mix aus Allem, was ich von der Erkrankung allgemein so mitbekommen und mitgenommen habe.

Wie waren die Reaktionen darauf von Freunden oder Verwandten bei Veröffentlichung ?

J. Michl: Die waren eigentlich sehr gut. Natürlich ist es für Aussenstehende immer erst mal anstrengend sich mit Sachverhalten zu beschäftigen, mit denen man sonst nie auf diese Weise in Berührung kommt. Gerade wenn es sich um ein solches – leider immer noch- Tabuthema handelt. Aber ich kann mich wirklich nicht beschweren.

Wie haben Sie es geschafft, gesund zu werden?
J. Michl: Ganz viel Selbstreflexion. Dabei hat eben auch das Schreiben eine große Rolle gespielt, dadurch kann ich einfach sehr gut verarbeiten.

Ansonsten habe ich mich sowohl mit mir selbst, als auch mit der Bulimie umfassend auseinandergesetzt und immer wieder neu analysiert, was eigentlich schief läuft, wer ich bin und wo ich hin will.

Was haben Sie für Tipps an andere Erkrankte?

J. Michl: Ich denke, eines der wichtigsten Dinge, die man verstehen muss, ist, dass es kein „das eine große Problem“ gibt und deshalb auch nicht die eine Antwort darauf.
Es macht nicht irgendwann Klick und dann kriegt man das wieder auf die Reihe – und es existiert keine Lösungsstrategie, die einem Gesundheitsgarantie versprechen kann.
Das ist man einfach nur selber im Dschungel des Lebens, den man jeden Tag aufs Neue wieder lichten muss.

Wie hat sich Ihr Leben verändert, seitdem Sie gesund sind?

J. Michl: Ich habe seit der Krankheitsbewältigung nie wieder aufgehört, mich Tag für Tag mit meinem Leben intensiv auseinanderzusetzen.
Das läuft jetzt nicht mehr so auf Autopilot nebenher, sondern ich habe angefangen, radikal selbst zu entscheiden, wo ich hingehören und was ich mit meiner Zeit so anstellen möchte.
Was ist die Krankheit auch anderes als ein lauter Stoppschrei der Seele, weil sie sich endlich frei entfalten dürfen möchte? Hinter jeder Sucht versteckt sich im Grunde doch eine Suche – und das meistens nach der Freiheit wirklich zu leben.

Janina Michl gewinnt den Förderpreis
des 1. Landschreiber Wettbewerbs 2013

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April 2013
Mitteilung des Wagner Verlages

Unsere Autorin Janina Michl darf sich über eine besondere Auszeichnung freuen: Sie erhielt den Förderpreis für junge Autorinnen und Autoren im 1. Landschreiber Wettbewerb 2013. Die Preisübergabe fand im angemessenen Rahmen auf der Leipziger Buchmesse statt. Auf diesen Preis darf unsere Autorin zu Recht stolz sein, denn der 1. Landschreiber Wettbewerb, der dem Motto „Mit Sprache über Sprache“ gewidmet ist, erhielt unzählige Einsendungen. Bereits mit ihrem schockierenden wie auch bewegenden Roman „Erst frisst sie dich auf, dann kotzt sie dich aus“, der das schwierige Thema „Bulimie“ thematisiert, konnte Janina Michl nicht nur unseren Verlag mit ihrer Sprachgewalt beeindrucken. Als Preis für ihr schöpferisches Schaffen erhielt sie nun einen Schreiburlaub in einem romantischen Kaminhäuschen am Meer. Wir sind uns sicher, dass die 20-Jährige diese Zeit kreativ nutzen wird und freuen uns schon jetzt auf das schriftstellerische Ergebnis.

 

Artikel in der Stuttgarter Zeitung

Annegret Jacobs

vom 25.05.2012

„Ich will doch nur glücklich sein“

Es geht nicht ums Essen. Keine einzige Fressattacke beschreibt Janina Michl während der Lesung. Auch verliert sie kein Wort über den sich daran anschließenden Gang auf die Toilette, wo Iruka – die Hauptfigur ihres Romans – das, was sie in sich hineingestopft hat, über der Kloschüssel wieder von sich gibt.

An den vergangenen beiden Abenden hat Michl im Jugendhaus Vaihingen ihr Buch „Erst frisst sie dich auf – dann kotzt sie dich aus“ vorgestellt. Solche Schilderungen über „sie“ – die Bulimie – kämen natürlich auch im Buch vor, sagt die 19-Jährige aus Büsnau, „aber aus der Lesung habe ich sie bewusst herausgelassen“. Auch wenn man unter Bulimie, der Ess- und Brechsucht, eben das Zusammenspiel aus Heißhungerattacken und absichtlich herbeigeführtem Brechen verstehe: „Das sind nur die Symptome“, sagt Michl. Der Auslöser der Krankheit liege, wie für jede Sucht, woanders. Nämlich in dem unerfüllten Wunsch, glücklich zu sein, sich selbst akzeptieren zu können.

Erst im Schmerz findet sie Erleichterung

Deswegen steigt Janina Michl in den Roman über Iruka, eine 16-jährige Schülerin, die ein scheinbar normales Leben führt, anders ein: Sie liest einen Abschnitt über einen der Wutausbrüche vor, die die Hauptfigur des Romans oft heimsuchen. In berührenden Bildern erzählt Michl, wie Iruka die Musik so aufdreht, dass sie fürchtet, taub zu werden – aber erst durch den Schmerz Erleichterung findet. „Wahrnehmung von Körper und Sinnen – gelöscht.“

Der nächste Wutausbruch kommt wenig später in der Mathestunde. Es ist keine befreiende Wut, die verrauchen kann. Irukas Wut lodert beständig auf, frisst Energie und lässt als Resultat nur Mattigkeit zurück. Die Schülerin düpiert aus Wut darüber, dass sie sich durch ihre Umwelt überfordert fühlt, ihre beste Freundin, rennt verzweifelt aus dem Klassenzimmer. „Versuche, mich aus der Gegenwart auszuklinken. Alles wird zu viel.“

„Ihr fragt euch bestimmt, was das mit Bulimie zu tun hat“, wendet sich Michl zwischendurch an die Zuhörer. Sie gibt sich selbst die Antwort: „Alles!“ Denn im weiteren Verlauf der Lesung wird klar, dass die Gründe für Irukas Wut in ihrer eigenen Hilflosigkeit liegen. Bereits mit dem Aufstehen beginnt der tägliche Gedankenkrieg. Was ist gut, was ist schlecht? Für die Schülerin ist nichts mehr klar, alles unsicher. Ein schlanker, sportlich gestählter Körper – so scheint es ihr – könnte der Ausweg aus diesem Meer der Zweifel sein. Denn wer schlank ist, scheint glücklich. „Ich will doch nur glücklich sein“, denkt Iruka immer wieder.

Iruka ist nicht Janina

Iruka sei nicht Janina, das betont die 19-jährige Autorin. Dennoch habe sie viel aus ihrer eigenen Biografie als Grundlage für den Roman genommen. Nicht für den Handlungsverlauf, wohl aber für das Thema: die Zweifel, das Verstecken der Krankheit, den Hass auf sich selbst. Mit 13 Jahren sei sie magersüchtig geworden, schildert Michl, danach kam die Bulimie. Foren im Internet waren ihr eine Hilfe, mit 16 Jahren wieder aus der Krankheit herauszukommen. Mit Unterstützung ihrer Eltern beendete sie die Schule nach der zwölften Klasse, seitdem schreibt Michl und macht eine Ausbildung zur Reitlehrerin. Die Spuren der Krankheit sieht man ihr nicht an. Auf der Bühne im Jugendhaus liest eine sympathische und reif wirkende junge Frau. Doch die Erfahrungen, die sie in die Krankheit geführt haben, hat Michl nicht vergessen. „Es ist heute schwer, zu sagen: Ich kann das nicht“, übt sie Kritik an gesellschaftlichen Zwängen. „Erst wenn man eine Depression oder Bulimie hat, darf man Stopp sagen.“

 

Essstörungen erkennen und verstehen

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Bericht vom 26.10.12

Freies Stadtteilportal für Bürger, Vereine und Unternehmen
Essstörungen sind keine Phase und auch keine Spinnereien von gelangweilten Jugendlichen, sondern ernst zu nehmende Süchte. Im Mittelpunkt stehen dabei die Anorexie, die so genannte Magersucht und die Bulimie, die Ess-Brechsucht.

Beim vor kurzem stattgefundenen sechsten Fanny-Elterncafé in der Cafeteria des Fanny-Leicht-Gymnasiums in Stuttgart-Vaihingen las zunächst Janina Michl, Passagen aus ihrem Buch „Erst frisst sie dich auf – dann kotzt sie dich aus“. Dr. Holger Salge, Leitender Arzt der Sonnenberg Klinik in Stuttgart, sprach anschließend über die Ursachen, Folgen und Behandlungsmöglichkeiten der verschiedenen Essstörungen.

„Für Außenstehende sind Essstörungen nur schwer nachzuvollziehen.“, ist Janina Michl, ehemalige Fanny-Leicht-Schülerin aus Vaihingen, zwanzig Jahre alt und selbst einst von Bulimie Betroffene, klar. „Das soll aber keinen daran hindern, es wenigstens zu versuchen.“ Eine Möglichkeit dazu bietet Michl mit ihrem Buch: Es geht um die Leidensgeschichte von Iruka, einem 16-jährigen Mädchen, das an Bulimie erkrankt ist. Bei allen Handlungen und den Versuchen zu Erbrechen, stellt sich die Frage nach dem Warum. Hin- und hergerissen zwischen Ernährungstabellen, Selbstgeißelung und Maßlosigkeit versucht Iruka zu reflektieren, erzählt von ihrer Scham und ihrer Angst. Das Buch erlaubt einen komplett ungeschönten Einblick in die Gedankenwelt einer Betroffenen und was Janina noch wichtiger ist: Lösungsansätze und Ideen teilen, die zum Nachdenken anregen.

 

Pressetext des Wagner Verlages

vom 9.3.2012

Iruka ist 16 Jahre alt, hat ein liebevolles Elternhaus und eine echte Freundin. Ihr Leben wäre also richtig perfekt, wenn nur die Kotzerei nicht wäre. Denn Iruka leidet an Bulimie. Jeden Tag sagt sie sich, dass es das letzte Mal war, dass sie morgen alles ändern würde – und ertappt sich dabei, wie ihre Gedanken doch wieder nur ums Essen kreisen. Iruka hasst sich selbst für ihre Schwäche und die Sinnlosigkeit ihres Handelns. Wenn sie doch selbst nur wüsste, warum sie sich das antut. Doch vielleicht ist der Weg aus der Sucht heraus gar nichts anderes, als die Suche nach genau diesem Warum?

Diese Erzählung ist mehr als die Geschichte einer bulimiekranken Schülerin. Es ist eine Reise in die Gedankenwelt eines Mädchens, das verzweifelt versucht, seiner seelischen Zerrissenheit einen Namen und ihrem Leben einen Sinn zu geben.

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