Blödsinn

Blödelei für Jonas.
In jedweder Hinsicht.

Blödsinn ist das halbe Leben, wenn die andere Hälfte aus Unsinn besteht. Manchmal beschleicht mich auch der Wahnsinn, aber der weigert sich, prozentual ausgedrückt zu werden. Er nistet lieber zwischen den Lücken der grauen Zellen und brütet eine Schnapsidee nach der anderen aus.
Aber ist das schon Blödsinn,

wenn man sich Ringe ansteckt und dadurch heiler fühlt,
wildfrei Leute anspricht, weil man Menschen gerne mag,
oder um Mitternacht in einen See springt.
Wenn man sich dafür entscheidet, dass immer alles gut ist,
einfach so, weil man das glauben mag,
wenn man sich dem Universum in die Arme schmeißt und sagt:
Ja bitte, hier bin ich. Ich habe keine Ahnung, führe du mich.
Wenn man Küsse wie Flyer verteilt auf denen Freude steht und
seinen Gedanken weniger Bedeutung beimisst als der Intuition.
Wenn man Launen niederringt und einen Schatz in der Disziplin findet,
wenn man weitermacht, obwohl es keine Garantie auf den nächsten Moment gibt,
aber man das Ängstliche im Menschenwesen tatsächlich zu lieben gelernt hat
und seinen Schmerz umarmen kann wie ein kleines Kind.

Ja, vielleicht ist das ein bisschen blödsinnig,
sich mit Todesangst auf eine Schienenbahn zu schnallen, nur um siebzig Meter in die Tiefe zu stürzen (und Spaß daran zu finden).
Die ganze Nacht zu vertanzen, bis man nur noch eine Stunde Schlaf übrig hat und danach auf große Reise geht.
Oder die Schule gegen einen Traum einzutauschen.
Beim romantischsten Lied einen Lachanfall zu kriegen und alle anderen damit anzustecken,
um vier Uhr früh aufzustehen und einen Berg hochzuradeln, damit man dem Sonnenaufgang entgegen tanzen kann (… oder lieber gleich dort übernachtet und mitten in der Nacht von der Polizei geweckt wird, weil man im Weg rumliegt).

Aber ist das nicht auch Blödsinn,
zu glauben, man käme tatsächlich irgendwo anders an als am Ende?
Oder irgendetwas auf dieser Welt gehöre einem,
wenn man doch sogar sich selbst nur vom Leben geliehen hat.
Ein Dagegen zu suchen, statt einem Dafür oder
genügend Lebensmittel für alle Menschen zu produzieren und die dann nicht richtig aufzuteilen,
seine eigene Gattung als die Krönung der Schöpfung zu betiteln und deshalb
Tiere als weniger wertvoll zu empfinden oder Kinder und Alte nicht ernst zu nehmen.
Gegenstände anzuhäufen, die alle verwelken wie du selbst und
sich über Religion zu streiten, wenn es im Kern doch immer um das Gleiche geht.
Grenzen zwischen Ländern zu ziehen, wenn unsere Füße alle auf derselben Erde stehen
oder Menschen nach Nationalitäten und Geschlechtern zu unterscheiden.
Lebensmittel in Plastik zu verpacken oder Sachen zu essen,
von denen man gar nicht weiß, was drin ist.
Zu vergessen, welch Privileg es ist, dass wir Wasser aus der Leitung trinken können (Alter Schwede, die Menschheit hat schon krasse Sachen ermöglicht) und
zu verdrängen, welch Potential dem innewohnt, wenn wir uns miteinander verbinden
zu zweit, zu dritt, zu viert, zu achtmilliardenst –
ein kollektives Bewusstsein, das die Welt aus den Angeln hebt.

vlcsnap-2016-07-03-00h19m26s175

Darum, lieber Jonas,
wenn du mich fragst, was Blödsinn ist,
dann lautet meine Antwort:

Das können wir zum Glück selbst entscheiden.
Auch, welchen wir mitmachen wollen.

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